Ein Shitstorm für einen Franken?

WC by Petras Gagilas, Quelle: https://flic.kr/p/r3BN7z

WC by Petras Gagilas, Quelle: https://flic.kr/p/r3BN7z

Stellt euch vor: Ihr habt ein Häuschen im Grünen mit schönem grossen Garten und alten, ehrwürdigen Bäumen. Hinter eurem Haus führt ein Wanderweg entlang und wenn es heiss ist, machen die lustigen Wandersleut’ ein Päuschen unter euren lauschigen Linden: Sie legen ihre Picknick-Decken hin, packen den Proviant aus und geniessen die Sonne. Bevor sie gehen, werfen sie ihren Abfall in eure Mülltonne und nutzen noch schnell mal eben euer WC, um sich frisch zu machen. Blöd nur, dass ihr plötzlich 10x so viele Züri-Säcke zur sachgerechten Entsorgung kaufen müsst. Und weil euch das ständige Klogehen nervt und ihr euer Haus zuschliesst, sch*** die nun gar nicht mehr so freundlichen Wandersleut einfach unter die auch nicht mehr so lauschige Linden, was euch wiederum nervt und ihr ein ToiToi-WC in euren Garten stellt – was wieder Geld kosten: aufstellen, entleeren, putzen, Klopapier nachfüllen…

Genau das passiert Tag ein, Tag aus auf dem Uetliberg – sozusagen meinen wunderschönen Garten. Ich freue mich über jede einzelne Besucherin und jeden einzelnen Gast, selbstverständlich teile ich den inspirierende Ausblick und die kraftspendende Natur mit allen von euch gerne. Aber lasst uns kurz über das WC reden…
Bildschirmfoto 2015-05-21 um 11.50.50
Jahrelang habe ich alle Unterhaltskosten der Sanitäranlage gestemmt und es als Selbstverständlich wahrgenommen, den Uetliberg-Besuchern, die Toilette gratis zur Verfügung zu stellen. Doch irgendwann wird es wegen der mangelnden Unterstützung durch den Kanton in Folge von unterbeschäftigten und rückwärtsgewandten Organisationen zuviel: Das UTO-KULM-Personal verdient eine faire Entlöhnung und die Anlage soll stets in einem gepflegten Zustand sein. Den Entscheid, das Drehkreuz zu installieren, ist mir alles andere als leicht gefallen – ich bin Gastgeber aus Leidenschaft und alle sollen sich auf meinem wunderbaren Uetliberg willkommen fühlen!

Wenn meiner Kreativität immer grössere Steine in den Weg gelegt werden, sehe ich mich dazu veranlasst, das Konzept auf dem Gipfel des Zürcher Hausbergs den geltenden Bedingungen anzupassen: Dass Sanitäranlagen heute einen Unkostenbeitrag verlangen, ist Standard – am Züri HB, auf jeder Autobahnraststätte, in den meisten Ausflugsrestaurants oder für diverse öffentliche Toiletten. Es handelt sich hierbei in keiner Weise um eine kindische Trotzreaktion, sondern um einen wirtschaftliche Notwendigkeit, von persönlicher Bereicherung kann keine Rede sein. Ja, ehrlich gesagt betrüben mich diese Annahme sehr, versuche ich mit dem UTO KULM doch seit jeher die Balance zwischen hochwertiger Gastronomie und erlebnisreichem Erholungsgebiet.

Auf keinen Fall will ich den Uetliberg so enden lassen wie beispielsweise das Château Gütsch in Luzern. Dieses ehemals beliebte Ausflugsziel wurde der Öffentlichkeit unzugänglich gemacht und ist heute nur noch für gutbetuchte Gäste eine Option. Dies mit allen Mitteln zu verhindern – daran arbeitet mein Team und ich tagtäglich! Das Einführen des Einfranken-Tarifs für alle, die nicht zu Gast im UTO KULM sind, ist dafür ein notwendiges und und individuell verkraftbares Instrument.

Ich hoffe jedenfalls auf eure Unterstützung und freue mich über jeden Gast auf dem Uetliberg. Sei es auch nur, um kurz die wunderbare Aussicht von meinem Garten über die Stadt, den See bis hin zu den Alpen zu geniessen.

Bis bald,
Unterschrift Fry_weiss
Giusep Fry

8 Kommentare zu “Ein Shitstorm für einen Franken?

  1. susi gut schrieb am :

    Giusep Fry hat absolut recht. Wenn ich als Joggerin ohne was zu konsumieren im Rest auf die toilette gehe, zahle ich den Franken gerne. Übrigens sind die Toiletten auf dem Uetliberg immer pico bello sauber gepflegt.

  2. Lieber Giusep
    (ja ich sage du, weil wir mal Duzis gemacht haben. Damals, 2006, als wir den Uto Kulm fötzelten und entrümpelten [Hier ein paar Fotos von damals auf Flickr https://www.flickr.com/gp/velorowdy/JaJSV6 ])

    Als Ausgleich zum Biken & Fötzelen arbeite ich heute nebenbei beim “Blick am Abend” und kann dir darum sagen, dass wir extrem schätzen was du für Zürich (bzw. Stallikon) und die Ausflugsregion machst (auch wenn das mit diesen Autofahrten wegen dem Hotel schon ein bisschen viel ist).

    Und natürlich steht es jedem Wirt frei für die Nutzung des WCs Geld zu verlangen. Nun ist es aber so, dass du dich in der Vergangenheit immer gerade mit dem Fakt gebrüstet hast, dass du das WC eben gratis zur Verfügung stellst (im TeleZüri, Presse etc.).

    Darum ist es natürlich fast logisch, dass man darüber schreiben muss, wenn es eben nicht mehr gratis ist. Und dass dies fast zeitgleich mit dem Abriss des Wintergartens der Fall ist kann Zufall sein, muss aber nicht.

    Ich werde darum sogleich ein paar Einfränkler in mein Biketäschli tun, damit ich für die Zukunft gerüstet bin. Und falls ich mal kein Geld dabei habe versuche ich mich an der Rezeptionistin vorbei oben ins Restaurant-WC zu schleichen. Dort hats ja noch kein Drehkreuz.

    Freundliche Grüsse,

  3. regina schrieb am :

    Giusep du hast absolut recht in der heutigen zeit muss man lange suchen überhaupt ein WC zu finden das sauber ist und dann noch nichts kostet ? fast aussichtslos. Aber ich finde es auch ok keiner will gratis arbeiten oder unterhaltsakosten aus der eigenen tasche bezahlen. aber genau diese leute denen das nicht mal im traum einfallen würde sind die welche am lautesten schreien wen plötzlich ein unkostenbeitrag erhoben wird. Mach dir nichts draus ich finde es einfach nur traurig und erbärmlich das du dich für jeden schritt und alles was du machst oder auch nicht rechtfertigen musst. mach weiter so. den so ist es Top. ganz lieben gruss Regina .

  4. Köhler schrieb am :

    @Bö,
    Ein schönes Beispiel was Du hier ablieferst, versuchen neutral zu bleiben,aber doch dem Arbeitgeber treu ergeben….Eine ehrliche Meinung wäre angebracht, Du weißt ganz genau das Herr Fry, bin nicht per Du mit ihm, habe einige Jahre für ihn arbeiten dürfen und auch die Entwicklung des Uetliberg mitbekommen, ein stetiges aufwerten dieses wunderbaren Erholungsortes+.
    Hier in Deutschland geht es nur um Steuergelder, bei Euch nicht anders, dieser Mann zieht Geld nach Stallikon, warum berichtet der Blick nicht darüber……, weil Deine Zeitung liebe Bö, genau wie alle Anderen, Meinungsbildung betreiben für Auflage…..ergo, ihr verhindert sogar Steuergelder in die Region zu bringen, aber sorry heute ist wahrscheinlich wieder der ein oder Andere Wagen/ Lkw auf der gut ausgebauten Straße den wundervollen Uetliberg empor gefahren.

  5. HKS schrieb am :

    Am Uetliberg aufgewachsen kenn ich diesen wunderschönen Platz am meistbegangenen Wanderweg der Schweiz und liebe ihn. Ich bin froh, dass es Menschen gibt, die ein sauberes WC zur Verfügung stellen – 1 CHF deckt die Kosten überhaupt nicht und ich bin sicher, dass der Grossteil dafür Verständnis hat, ausser jenen, die eh immer meckern und das schlechte suchen (denen kann man nicht helfen). Als Touristiker kann ich nur sagen, dass gerade die selbsternannten Stammgäste das Gefühl haben, es müsse alles gratis sein und dann gerne allen vorrechnen, wieviel Geld sie ausgeben und drohen, jetzt nicht mehr zu kommen werden… das legt sich.

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